LAG Schleswig-Holstein: Bewerberstatus im Sinne des § 15 Abs. 2 AGG

Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein hat entschieden, dass ein Schadensersatzanspruch wegen einer diskriminierenden Stellenausschreibung auch bei Bewerbung über die eBay Kleinanzeigen Chat-Funktion möglich ist.

Geklagt hatte ein männlicher Bewerber, der sich auf eine Stellenanzeige beworben hatte, in der eine „Sekretärin“ gesucht wurde. Beworben hatte er sich über die eBay-Kleinanzeigen-Chat-Funktion. Dies stand der Ernsthaftigkeit der Bewerbung jedoch nicht hingegen. Insbesondere sei das Entschädigungsverlangen im Anschluss an die getätigte Absage, die mit der Begründung erfolgte, dass eine weibliche Mitarbeiterin gesucht wurde, nicht rechtsmissbräuchlich. Zur Begründung führte das Gericht aus, dass es für den erforderlichen Bewerberstatus im Sinne des § 15 Abs. 2 AGG ausreichend sei, das die Person des Bewerbers identifizierbar sei. Ein Arbeitgeber, der eine Stellenanzeige in eBay-Kleinanzeigen veröffentlicht, muss damit rechnen, dass die Bewerbung nicht klassischerweise erfolgt, d. h. unter Beifügung von Bewerbungsunterlagen, sondern dass die Chat-Funktion genutzt wird.

LAG Schleswig-Holstein, Urteil vom 21.06.2022 – 2 Sa 21/22, Landesrechtsprechung Schleswig-Holstein