AG Bonn: Es bleibt dabei: sollen Aufträge vergeben werden, müssen grundsätzlich drei Angebote eingeholt werden

Dass grundsätzlich für eine Auftragsvergabe drei Angebote vorliegen müssen, weiß inzwischen jeder WEG-Verwalter und jeder Wohnungseigentümer. Dies entspricht ständiger Rechtsprechung.

Ausnahmen werden gemacht, wenn es sich um Maßnahmen von geringer Bedeutung handelt. Wo die Grenze für eine „geringe Bedeutung“ liegt, ist umstritten. Nach bisheriger Rechtsprechung liegt diese Grenze zwischen 1.000 € und 3.000 €.

Das Amtsgericht Bonn hatte sich in seinem Urteil vom 13.12.2021 mit dem Fall zu beschäftigen, in dem bereits drei Teilflächen eines Daches durch die Handwerksfirma X saniert worden waren und es nunmehr noch allein um die vierte Teilfläche ging. Da die Gemeinschaft der Wohnungseigentümer mit den Arbeiten der Handwerksfirma X sehr zufrieden war, beauftragte sie auch für die vierte Teilfläche die Firma X, ohne zuvor weitere Angebote einzuholen.

Da es sich um ein Auftragsvolumen von 70.000 € handelte, gab das Amtsgericht Bonn der Klage eines Wohnungseigentümers gegen den Beschluss zur Beauftragung der Firma X statt. Zwar könne die Firma X auch beauftragt werden, wenn diese nicht die günstigste Anbieterin sei. Allerdings könne ein objektivierbarer Entscheidungsvorgang nur dann angenommen werden, wenn drei Angebote vorliegen würden, da dann auch der Preis und nicht nur die Zufriedenheit mit der Firma X ein Entscheidungskriterium sei.

AG Bonn, Urteil vom 13.12.2021 – 211 C 25/21, NRWE